Kognitive Störungsbilder
Themenkurs für Physiotherapeuten und Ergotherapeuten
Auf einen Blick
Physiotherapie und Ergotherapie sind für Patienten mit Ataxie derzeit die einzig möglichen Behandlungsmethoden, um den Verlust der motorischen Fähigkeiten zu verlangsamen. Lerne in diesem Kurs wie das geht.
Dozent: Team NEKU
UE: 8
FP: 8
1
Wer kann an diesem Kurs teilnehmen?
Physiotherapeuten*innen, Ergotherapeut*innen, Sporttherapeut*innen, Sportwissenschaftler*innen
2
Welche Voraussetzungen sind benötigt?
Abgeschlossene Berufsausbildung
3
Was erwartet dich in diesem Kurs?
✔ Diagnostik und Assessments
✔ Entstehungsmechanismen
✔ Neuropsychologische Phänomene wie Neglect und Pusher
✔ Aktuelle Therapieempfehlungen
✔ Therapieansätze zu Pusher, Neglect, Aphasie und Apraxie
✔ Therapiemöglichkeiten im Häuslichen Umfeld
✔ Praktische Umsetzung in der Praxis
Kursbeschreibung
Die neurologische Rehabilitation stellt einen der komplexesten und zugleich bedeutendsten Bereiche der modernen Physiotherapie und Ergotherapie dar. Patienten mit Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Hirnblutung benötigen eine interdisziplinäre Behandlung, die weit über die Wiederherstellung motorischer Fähigkeiten hinausgeht. Ziel ist es, verloren gegangene Funktionen zu reaktivieren, Kompensationsstrategien zu entwickeln und die größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag wiederzuerlangen. Bereits in der Akutphase und Frührehabilitation übernehmen Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden eine zentrale Rolle. In dieser frühen Behandlungsphase wird der Grundstein für den späteren funktionellen Erfolg gelegt. Die frühe Mobilisation, das Training elementarer Bewegungsmuster und die Stimulation sensomotorischer Reize wirken nicht nur präventiv gegen Komplikationen, sondern aktivieren auch neuronale Netzwerke, die für die Wiedererlangung motorischer Kontrolle entscheidend sind. Der Kurs vermittelt ein fundiertes Verständnis der Pathophysiologie neurologischer Schädigungen und zeigt praxisnahe Wege auf, wie Rehabilitation in unterschiedlichen Phasen – von der Akutbehandlung bis zur ambulanten Nachsorge – wirksam gestaltet werden kann. Im Fokus steht die funktionelle Therapie, die Neuroplastizität gezielt nutzt und Patient und Therapeut in einen aktiven Lernprozess einbindet. Ziel ist es, Teilnehmern ein tiefes Verständnis für die Dynamik der neurologischen Erholung zu vermitteln und sie in die Lage zu versetzen, individuelle Behandlungsstrategien zu entwickeln, die den jeweiligen Fähigkeiten, Einschränkungen und Zielen des Patienten entsprechen. Kursinhalt Der Kurs beginnt mit einer Wiederholung der neuroanatomischen Grundlagen der zentralen Bewegungssteuerung. Die Teilnehmer vertiefen ihr Wissen über die motorischen Rindenfelder, die kortikospinalen Bahnen, das Kleinhirn und die Basalganglien. Diese Kenntnisse bilden die Basis, um Funktionsausfälle nach Schlaganfall oder Trauma differenziert zu analysieren und therapeutisch gezielt zu adressieren. Im Anschluss werden die pathophysiologischen Mechanismen neurologischer Schädigungen erläutert. Besprochen wird, wie ischämische und hämorrhagische Ereignisse neuronale Leitungsbahnen beeinflussen, welche Folgen axonale Schädigungen nach Schädel-Hirn-Trauma haben und wie sekundäre Prozesse – etwa Ödeme, Entzündungen oder Stoffwechselveränderungen – den Heilungsverlauf prägen. Auf dieser Grundlage wird die Bedeutung der Neuroplastizität als zentrales therapeutisches Prinzip herausgearbeitet. Ein wesentlicher Bestandteil des Kurses ist die strukturierte Befunderhebung. Die Teilnehmer lernen, Bewegungs- und Funktionsdefizite systematisch zu erfassen, Tonusveränderungen zu bewerten und die Aktivitätsebene mithilfe validierter Assessments zu quantifizieren. Dabei werden sowohl klassische Skalen wie Fugl-Meyer und Barthel-Index als auch moderne Funktionsanalysen vorgestellt, die eine objektive Verlaufskontrolle ermöglichen. Darauf aufbauend werden therapeutische Strategien in den verschiedenen Rehabilitationsphasen vermittelt. In der Akut- und Frührehabilitation liegt der Fokus auf der Lagerung, der Mobilisation aus der passiven in die aktive Bewegung und der Vermeidung sekundärer Komplikationen. Durch gezielte Stimulation und Bewegungsvorbereitung werden Tonusregulation, Wahrnehmung und Haltungskontrolle trainiert. In der weiterführenden Rehabilitation stehen aktive Übungsprogramme im Vordergrund. Die Teilnehmer lernen, Bewegungsmuster wieder aufzubauen, die intermuskuläre Koordination zu fördern und die Belastbarkeit zu steigern. Dabei werden funktionelle Übungen aus dem Alltag integriert – vom Sitzen und Stehen bis hin zu Greif-, Transfer- und Gehtechniken. Ergänzend werden Prinzipien der repetitiven Übung, der sensomotorischen Bahnung und des motorischen Lernens besprochen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Behandlung typischer Störungsbilder wie Hemiparese, Spastik, Neglect oder Ataxie. Die Teilnehmer erfahren, wie sich gezielte manuelle Techniken, tonusregulierende Maßnahmen und funktionelle Trainingsansätze kombinieren lassen, um motorische Kontrolle und Bewegungsfluss zu verbessern. Zusätzlich werden Maßnahmen zur Förderung der Gleichgewichtsfähigkeit, zur Sturzprävention und zur Wiederherstellung der Gangfunktion praktisch vermittelt. Auch die ergotherapeutische Perspektive wird in den Kurs integriert. Sie fokussiert die Wiedererlangung alltagsrelevanter Fähigkeiten, die Optimierung der Handfunktion und den Einsatz adaptiver Hilfsmittel. Dabei wird der Alltag des Patienten als zentrales Trainingsfeld verstanden – jede Aktivität wird als potenzielle Therapieeinheit genutzt, um funktionelle Bewegungen im natürlichen Kontext zu fördern. Ein weiterer Abschnitt widmet sich der Phase nach der stationären Rehabilitation. Hier stehen Strategien im Vordergrund, die Patienten langfristig in Bewegung halten und Rückfälle vermeiden. Vermittelt werden Trainingsprogramme für Zuhause, Transferübungen für Alltagssituationen und edukative Maßnahmen zur Förderung der Selbstwirksamkeit. Neben den motorischen Aspekten werden auch emotionale und kognitive Faktoren berücksichtigt. Viele Patienten leiden nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma unter Antriebsmangel, Depression oder Aufmerksamkeitsstörungen. Der Kurs zeigt, wie Therapeuten Motivation fördern, realistische Ziele setzen und durch kommunikative Begleitung ein stabiles therapeutisches Bündnis schaffen können. Abschließend wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit betont. Der Erfolg neurologischer Rehabilitation beruht auf der Abstimmung zwischen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie und ärztlicher Betreuung. Die Teilnehmer lernen, wie sie Teil dieses Netzwerks werden und durch gezielte Kommunikation die Qualität der Gesamttherapie verbessern. Der Kurs richtet sich an Physiotherapeuten und Ergotherapeuten, die ihr Wissen über die Behandlung neurologischer Patienten vertiefen möchten. Er bietet ein praxisnahes, evidenzbasiertes Konzept, das sich an den aktuellen Erkenntnissen der Neurorehabilitation orientiert und den Menschen in seiner gesamten funktionellen, kognitiven und emotionalen Dimension berücksichtigt. Ziel ist es, neurologisch betroffene Patienten auf ihrem Weg zurück in ein möglichst selbstbestimmtes Leben kompetent und sicher zu begleiten.
