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Wer kann an diesem Kurs teilnehmen?
Physiotherapeuten*innen, Ergotherapeut*innen, Sporttherapeut*innen, Sportwissenschaftler*innen
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Welche Voraussetzungen sind benötigt?
Abgeschlossene Berufsausbildung
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Was erwartet dich in diesem Kurs?
✔ Diagnostik und Pathomechanismus
✔ Medikamentöse Therapie
✔ Verschiedene Phasen der Pathologie
✔ Stadien erkennen und zuordnen können
✔ Antifreezingtechniken und Sturzprophylxe
✔Therapeutisches Vorgehen bei der Therapieplanung
✔ Häufige Begleiterkrankungen
✔ Bewegungsanalysen
Kursbeschreibung
Morbus Parkinson gehört zu den häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen und stellt für die therapeutische Praxis eine besondere Herausforderung dar. Charakteristisch ist die fortschreitende Degeneration dopaminerger Neuronen in der Substantia nigra, die zu einer Dysbalance innerhalb der Basalganglienschleifen führt. Das Ergebnis ist eine komplexe Störung der Bewegungssteuerung, die sich klinisch in Rigor, Tremor, Akinese und posturaler Instabilität äußert. Der Kurs vermittelt ein umfassendes Verständnis der neuroanatomischen und pathophysiologischen Grundlagen des Parkinson-Syndroms und stellt die diagnostischen und therapeutischen Ansätze aus ärztlicher und therapeutischer Sicht dar. Im Mittelpunkt steht die interdisziplinäre Betrachtung der Erkrankung – von der zentralen Steuerung der Bewegung über die pharmakologische Behandlung bis hin zur spezifischen physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Intervention. Ziel der Fortbildung ist es, die Zusammenhänge zwischen zentralnervösen Prozessen, klinischer Symptomatik und therapeutischem Vorgehen nachvollziehbar zu machen. Dabei werden sowohl die primären motorischen Defizite als auch die häufigen Begleitsymptome wie Demenz, Depression und autonome Dysfunktionen berücksichtigt. Das Wissen um diese Zusammenhänge ist entscheidend, um die Behandlung individuell, sicher und effektiv zu gestalten und Patienten langfristig in ihrer Bewegungsfähigkeit und Lebensqualität zu unterstützen. Kursinhalt Zu Beginn werden die neuroanatomischen Grundlagen der zentralen Bewegungssteuerung ausführlich erläutert. Die Teilnehmer vertiefen ihr Verständnis der Basalganglien, des Thalamus, der motorischen Rindenareale und ihrer Verschaltung mit Hirnstamm und Kleinhirn. Die Funktion dieser Systeme wird im Kontext des dopaminergen Systems betrachtet, um die pathophysiologischen Mechanismen des Morbus Parkinson nachvollziehbar zu machen. Im Anschluss erfolgt eine detaillierte Darstellung der Pathogenese und Epidemiologie der Erkrankung. Besprochen werden Ursachen, Risikofaktoren und Verlaufsmuster sowie die Unterscheidung zwischen idiopathischem Morbus Parkinson und atypischen Parkinsonsyndromen. Anhand von klinischen Fallbeispielen wird verdeutlicht, wie sich die Symptome entwickeln, wie motorische und nichtmotorische Zeichen miteinander interagieren und welche neuroanatomischen Veränderungen ihnen zugrunde liegen. Ein zentraler Abschnitt widmet sich der ärztlichen Diagnostik und Behandlung. Die Teilnehmer erhalten Einblicke in die neurologische Untersuchung, die differenzierte Beurteilung der Symptomkonstellationen sowie die Bedeutung bildgebender Verfahren. Neben der klassischen Magnetresonanztomographie werden der DAT-Scan und die transkranielle Sonographie der Basalganglien vorgestellt. Darauf aufbauend wird die Pharmakotherapie systematisch erläutert. Die Wirkprinzipien dopaminerger Substanzen wie L-Dopa, Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer oder COMT-Hemmer werden im Hinblick auf Wirkmechanismus, Indikation, Dosierung und Nebenwirkungen besprochen. Dabei wird deutlich, welche medikamentösen Strategien in verschiedenen Krankheitsstadien zur Anwendung kommen und wie diese das therapeutische Vorgehen beeinflussen. Im zweiten Teil des Kurses liegt der Fokus auf der physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Behandlung. Die Teilnehmer lernen, wie sich durch gezielte Bewegungsanalyse und den Einsatz validierter Testinstrumente – etwa UPDRS, 10-Meter-Gehtest oder Berg-Balance-Skala – funktionelle Einschränkungen objektiv erfassen lassen. Diese Befunde bilden die Grundlage für die Planung eines individuellen Therapieprogramms. Besonderes Gewicht wird auf die Behandlung typischer motorischer Defizite gelegt. Dazu gehören Techniken zur Verbesserung der Gangsicherheit, Übungen gegen Freezing-Episoden, Strategien zur Aufrichtung und Sturzprävention sowie Trainingseinheiten zur Verbesserung der Hand- und Feinmotorik. Ergänzend werden taktile, akustische und visuelle Reize als externe Trigger genutzt, um Bewegungen zu initiieren und Bewegungsfluss zu fördern. Auch die ergotherapeutische Perspektive wird berücksichtigt. Die Teilnehmer lernen, alltagsnahe Aktivitäten zu analysieren, adaptive Hilfsmittel einzusetzen und kompensatorische Strategien zu vermitteln. Ziel ist es, die Selbstständigkeit im Alltag so lange wie möglich zu erhalten und die Bewegungsökonomie zu verbessern. Neben den motorischen Symptomen werden auch die häufigen Begleiterkrankungen thematisiert. Depression, Angststörungen, Fatigue und Demenz treten bei Parkinsonpatienten häufig auf und beeinflussen Therapieerfolg und Lebensqualität erheblich. Der Kurs vermittelt Strategien, wie Therapeuten auf diese Begleitsymptome reagieren, Belastungsgrenzen erkennen und Motivation sowie Compliance fördern können. Ein weiterer Bestandteil ist die Differenzialdiagnose Parkinson-ähnlicher Erkrankungen. Dargestellt werden Multisystematrophie (MSA), Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP) und Kortikobasale Degeneration (CBD). Anhand klinischer Kriterien und typischer Verlaufsmerkmale lernen die Teilnehmer, diese Syndrome voneinander zu unterscheiden, um Fehldiagnosen zu vermeiden und die Behandlung gezielt anzupassen. Abschließend werden praxisnahe Tipps zum Umgang mit Parkinsonpatienten vermittelt. Dazu gehören kommunikative Strategien, Anleitung zu Bewegung im Alltag, Umgang mit „On-Off“-Phänomenen und Training unter medikamentöser Wirkung. Die Teilnehmer erhalten damit ein umfassendes klinisch-therapeutisches Verständnis, das ihnen ermöglicht, Patienten mit Parkinsonerkrankung kompetent, sicher und empathisch zu begleiten.
